Informationen aus den Diözesan- und Landesverbänden

Köln: Israelreise Osterferien 2018

Der Diözesanverband Köln bietet eine Israelreise vom 26. 3. bis 5.4. 2018 an. Auch Nichtmitglieder können teilnehmen. Nähere Informationen finden Sie  im Newsletter unter www.vkrg-koeln.de .

Trier: Müssen unsere Religions- und Geschichtslehrbücher umgeschrieben werden?

Auf der Jahrestagung der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien im Bistum Trier, die vom 16. bis 18. Februar im Trierer Robert-Schuman-Haus zu dem Thema „Reformation(en) – mehr als Luther“ stattfand, forderte der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Bernhard Schneider, die neuesten Forschungsergebnisse seines evangelischen Kollegen Berndt Hamm zur Kenntnis zu nehmen und in der nächsten Generation von Religions- und Geschichtslehrbüchern zu verankern: Zwischen Luther und katholischen Reformtheologen des 15. und 16. Jahrhunderts habe es eine viel größere inhaltliche Nähe als bisher angenommen gegeben, bei der Frage des Ablasshandels sei entgegen den traditionellen Verzerrungen eine viel stärkere Differenzierung in der historischen Darstellung notwendig. Der Ablass, den es in der nicht-pekuniären Form auch für die mittellosen Leute gegeben habe, könne im gesellschaftlichen Rahmen des Mittelalters geradezu als Ausdruck sozialer Arbeitsteilung gesehen werden: „Die Armen“ der damaligen Zeit, die keine Geldzahlungen an Staat oder Kirche entrichten konnten, hätten ihren Beitrag für das Gemeinwesens unter anderem durch ihr Gebet geleistet. Damit legt sich ein Vergleich mit dem steuerfreien Existenzminimum moderner Finanzarithmetik nahe. Von der ‚sozialen Staffelung‘ des Ablasses spannte Schneider einen Bogen zu den „religiösen Wurzeln des Sozialstaats“. Zentraler Begriff seiner Ausführungen war der des „Diskurses“. Sogenannte Armutsdiskurse von der christlichen Antike bis in die heutige Zeit lassen Attribuierungen erkennen, die einerseits individuelle und kollektive Identitäten stiften, andererseits soziale Gegensätze entweder zu lindern oder zu verschleiern vermögen.

Im Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklungen in der Moderne gilt es festzuhalten:

  • dass die Ausprägung des deutschen Sozialstaats nicht ohne die maßgebliche Rolle der involvierten christlichen Akteure erhellt werden kann
  • dass der Widerstand gegen die Einführung einer Krankenpflichtversicherung in den USA (‚Obamacare‘) sich auf die puritanisch-calvinistische Doktrin der Staatsferne und das damit verbundene Misstrauen gegen einen starken Staat zurückführen lässt.

In der Frage der Kooperation zwischen den Kirchen bei der Erteilung schulischen Religionsunterrichts rief Prof. Dr. Jan Woppowa dazu auf, „konfessionelle Differenzen als besondere Lernchancen eines Unterrichts in konfessionell heterogenen Lerngruppen zu erfassen“. Prof. Dr. Andreas Mühling gelang es, die christliche Irenik des 16. und späterer Jahrhunderte als vorbildliche Grundlage für den heute für notwendig erachteten muslimisch-christlichen Dialog zu charakterisieren.

Ein Tagungsbericht von Jochen Ring

geschrieben am 7. März 2017