Informationen aus den Diözesan- und Landesverbänden

WÜRZBURGER DIÖZESANTAGUNG 2017: Gedanken und Impulse zum LehrplanPLUS

Vom 11. bis 12. Oktober 2017 fand im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten die Diözesantagung für Religionslehrkräfte an Gymnasien und Realschulen in der Diözese Würzburg statt.   Claudio Ettl, Bildungsreferent am Caritas-Pirkheimer-Haus in Nürnberg, präsentierte in seinem Impulsreferat aktuelle Erkenntnisse der neutestamentlichen Exegese im Hinblick auf den neuen LehrplanPLUS.  Sibylle Haaf, Mitarbeiterin im äußeren Kreis der Lehrplankommission, Teresa Amend, Koordinatorin des Tutoren- und Mentorenprogramms für die Kath.-Theol. Fakultät an der Universität Würzburg, Norbert Zips, Fachberater für Ober-, Mittel- und Unterfranken, sowie  Bernhard Pollin, Fortbildungsreferent für Realschulen am Schulreferat der Diözese Würzburg, gestalteten mehrere Arbeitsgruppenphasen mit sehr praxisnahen Anregungen zum Unterrichten mit dem LehrplanPLUS.

Nicht nur in den intensiv zum Austausch genutzten Pausen, sondern auch bei der Weinprobe mit Weinen des renommierten Würzburger Juliusspitales, zu der Schulreferent Prälat Putz alle Teilnehmer/innen der Tagung als Zeichen der Wertschätzung einlud, und in der gemeinsamen morgendlichen Eucharistiefeier wurde spürbar, dass eine Fortbildungsveranstaltung nicht nur kognitiv-rationale Erkenntnisse vermittelt, sondern auch kollegial-unterstützende Erfahrungen ermöglichen kann. Erfreulicherweise wurden diesmal auch (wieder) von einigen Schulen je zwei Teilnehmer/innen für die Tagung vom Unterricht freigestellt. Möge sich dieser (ehemals bewährte und unhinterfragte) Trend fortsetzen!

Bei der im Rahmen der Tagung durchgeführten Diözesanmitgliederversammlung des KRGB stand neben dem Bericht des Vorstandes auch die Neuwahl des 1. Vorsitzes an. Harald Drescher hat dieses Amt zwei Amtsperioden hindurch geführt und stellte sich angesichts seines Engagements im Vorstand des Bundesverbandes nicht mehr für den 1. Diözesanvorsitz zur Verfügung. Zur neuen 1. Vorsitzenden wurde die bisherige stellvertretende Vorsitzende Susanne Schmitt gewählt. Für den dadurch vakant gewordenen zweiten Vorsitz wurde bis zur turnusmäßigen Neuwahl in zwei Jahren Harald Drescher gewählt.

Vorstand WürzburgNeuer Vorstand( v. l.n.r.): Harald Drescher(Stellvertr. Vors.), Susanne Schmitt (1. Vorsitzende), Corinna Walz Schriftführerin)

 

 

Köln: Israelreise Osterferien 2018: Der Diözesanverband Köln bietet eine Israelreise vom 26. 3. bis 5.4. 2018 an. Auch Nichtmitglieder können teilnehmen. Nähere Informationen zu Programm, Preis und Anmeldemodalitäten finden Sie  unter www.vkrg-koeln.de .

Die Jahrestagung 2016 stand unter dem Thema: „Das Vaterunser. Das gemeinsame Gebet aller Christen für den Religionsunterricht neu entdecken“ und leistete damit einen Beitrag zum Jahr der Barmherzigkeit, das kurz darauf endete. Die einzelnen Bitten, besonders die Bitte um das tägliche Brot, aber auch das Gebet als Ganzes stehen in biblischer, systematisch-theologischer, ethisch-moralischer und ästhetischer Hinsicht als Herausforderung vor uns. Uns leitet die Absicht, das so gewohnte, regelmäßig gebetete Vaterunser in seinem Anspruch, die Fürsorge für andere zu realisieren, im RU aktuell und schülerorientiert zu thematisieren. In bewährter Form folgen auf wissenschaftliche Vorträge praxisorientierte Arbeitskreise zur religionspädagogischen Erarbeitung. Insgesamt wird eine erstaunliche Perspektivenvielfalt in der Beschäftigung mit dem Vaterunser deutlich, die sehr begeistert und zur schulischen Realisierung motiviert. Die Vorträge und Materialien der Arbeitskreise stehen auf der Homepage (www.vkrg-koeln.de) für Mitglieder zur Verfügung.

Die Hauptvorträge hielten in diesem Jahr Prof. Dr. Jürgen Werbick, Systematische Theologie, Münster (Um Gott bitten – und ums tägliche Brot. Wie Jesus beten lehrt) und Prof. Dr. Albert Gerhards, Liturgiewissenschaft, Bonn („Herr, lehre uns beten!“ – ein jüdisches Gebet als Kernstück christlicher Spiritualität und Liturgie). Damit erschlossen sie uns die aktuelle Forschungslage und ermöglichten die religionspädagogische und –didaktische Reflexion in den Arbeitskreisen:

  1. Martina Pilger, Pfr. Klaus Thranberendt: „Ideen aus der Schulseelsorge“                                                                                         Es ging um ein Angebot u.a. in Anlehnung an die Kett-Methode: Darstellung des Vaterunsers mit verschiedenen Methoden (Gedicht, Text-Verfremdung, szenische Darstellung, fiktive Dialoge) und Materialien/Medien (Perlen, Schnüre, Stifte, Papier, Naturmaterial, Percussionsinstrumente etc.). Die Ergebnisse zeigten eine Vielfalt an kreativen Ideen und die Offenheit der Teilnehmenden für die innovativen und begeisternden Vorschläge.
  2. Hildegard Ehlen und Helmut Klösges: „Das Vaterunser in der Musik – religionspädagogische Zugänge für verschiedene Jahrgangsstufen“:  Ist die Einbeziehung von Musik in den RU zielführend? Diese Frage stellt sich angesichts kompetenzorientierter Lehrpläne. Ein fächerverbindender RU kann positive Erlebnisse und adäquate Lernfortschritte eröffnen: Aktives Musikhören leitet dazu an, die Sinne zu schärfen, eigenes Musikmachen – im RU durch das bei Lernenden wieder beliebte Singen (z. B. „O Lord, hear my prayer“ oder einstimmige Vaterunser-Vertonungen aus alter und neuer Zeit) – fördert die Handlungskompetenz. Die Reflexion über Musik, die eine politische und/oder religiöse Botschaft (Hörbeispiele von Tschaikowsky, Janacek, Britten, Pärt, E Nomine usw.) enthält, bahnt die notwendige Urteilskompetenz an. Dabei wird deutlich: Glaube wird mit Hilfe von Musik verkündet und bekennend verlautet. Religionen hingegen können in ihren Aussagen und Praktiken reflektiert, beurteilt und bewertet werden. Vaterunser-Vertonungen sind aber zuweilen persönliche Glaubensbekenntnisse, die sich dem Beurteilen entziehen. Musik schlägt eine Brücke zwischen beiden. So konnten die Teilnehmenden neue Chancen eines fächerverbindenden RU entdecken.
  3.  Dr. Klaus Kiesow: „Das Vaterunser im Kontext alttestamentlicher und jüdischer Lebenswelten“:Das Vaterunser ist ein durch und durch jüdisches Gebet, tief verwurzelt in der Frömmigkeit des Alten  Testaments. Die aktuellen exegetischen Befunde sowie die Reflexion und Auseinandersetzung über die Bedeutung des Gebetes Jesu (auch in provozierenden Aussagen von H. K. Zender) wie auch Versuche einer Rekonstruktion des ursprünglichen Gebetes Jesu standen im Zentrum der Erarbeitung. Herausgestellt wurden die verschiedenen Sprachbilder und Redeweisen des Vaterunsers, welches ein reines Bittgebet ist, wie auch ihre tiefe biblische Verwurzelung.
  4. Agnes Steinmetz: „Erschließung der Bitte „Unser tägliches Brot gib uns heute“ nach dem Modell der Elementarisierung“ Die Schritte der Elementarisierung sind ein probates Prinzip der Unterrichtsvorbereitung und konnten anhand von Gerhard Lohfinks Deutung der Brotbitte verdeutlicht werden. Als textliche Grundlage oder auch als Ganzschrift für die unterrichtliche Reflexion des Vaterunsers eignet sich: Gerhard Lohfink, Das Vaterunser neu ausgelegt, Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2012. Für heutige Menschen ist das „Brot“ nicht das, um das es etwa zu bitten gilt. Und es ist keine Lösung, einen anderen Gegenstand zu wählen, der erbeten wird. Lohfink setzt an der Situation der Jüngerinnen und Jünger als Mitwanderer Jesu an. Er weist nach, dass es ohne die Sorge der Daheimgebliebenen Anhänger Jesu keine Überlebensmöglichkeit gäbe. So wird die Brotbitte zur Bitte um Menschen, die innerlich mitgehen und für das leibliche Wohl der Wanderer Sorge tragen. Und weitergedacht kann die Brotbitte dann heute so verstanden werden, stellvertretend für die Notleidenden zu bitten – und selbst betend und handelnd zu Sorgenden zu werden.

Die VKRGKöln sucht seit vielen Jahren den Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern, aber auch zu Hilfsorganisationen. So stellten sich diesmal Vertreter des Kinderhospizes „Regenbogenland“ aus Düsseldorf vor.

In der diesjährigen Mitgliederversammlung wurden Agnes Steinmetz als Vorsitzende, Helmut Klösges als Kassierer sowie Michael Dornbusch, Martina Hamacher, Ilsetraud Ix, Stephan Keil in den Beirat gewählt. Mit Hans-Werner Wortberg (stv. Vorsitzender) und Michael Hater (Schriftführer) kann die VKRGKöln weiterhin auf eine bewährte und engagierte Zusammenarbeit ihres Vorstands und Beirats vertrauen.  von Agnes Steinmetz

 

Trier: Müssen unsere Religions- und Geschichtslehrbücher umgeschrieben werden?

Auf der Jahrestagung der katholischen Religionslehrer/innen an Gymnasien im Bistum Trier, die vom 16. bis 18. Februar im Trierer Robert-Schuman-Haus zu dem Thema „Reformation(en) – mehr als Luther“ stattfand, forderte der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Bernhard Schneider, die neuesten Forschungsergebnisse seines evangelischen Kollegen Berndt Hamm zur Kenntnis zu nehmen und in der nächsten Generation von Religions- und Geschichtslehrbüchern zu verankern: Zwischen Luther und katholischen Reformtheologen des 15. und 16. Jahrhunderts habe es eine viel größere inhaltliche Nähe als bisher angenommen gegeben, bei der Frage des Ablasshandels sei entgegen den traditionellen Verzerrungen eine viel stärkere Differenzierung in der historischen Darstellung notwendig. Der Ablass, den es in der nicht-pekuniären Form auch für die mittellosen Leute gegeben habe, könne im gesellschaftlichen Rahmen des Mittelalters geradezu als Ausdruck sozialer Arbeitsteilung gesehen werden: „Die Armen“ der damaligen Zeit, die keine Geldzahlungen an Staat oder Kirche entrichten konnten, hätten ihren Beitrag für das Gemeinwesens unter anderem durch ihr Gebet geleistet. Damit legt sich ein Vergleich mit dem steuerfreien Existenzminimum moderner Finanzarithmetik nahe. Von der ‚sozialen Staffelung‘ des Ablasses spannte Schneider einen Bogen zu den „religiösen Wurzeln des Sozialstaats“. Zentraler Begriff seiner Ausführungen war der des „Diskurses“. Sogenannte Armutsdiskurse von der christlichen Antike bis in die heutige Zeit lassen Attribuierungen erkennen, die einerseits individuelle und kollektive Identitäten stiften, andererseits soziale Gegensätze entweder zu lindern oder zu verschleiern vermögen.

Im Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklungen in der Moderne gilt es festzuhalten:

  • dass die Ausprägung des deutschen Sozialstaats nicht ohne die maßgebliche Rolle der involvierten christlichen Akteure erhellt werden kann
  • dass der Widerstand gegen die Einführung einer Krankenpflichtversicherung in den USA (‚Obamacare‘) sich auf die puritanisch-calvinistische Doktrin der Staatsferne und das damit verbundene Misstrauen gegen einen starken Staat zurückführen lässt.

In der Frage der Kooperation zwischen den Kirchen bei der Erteilung schulischen Religionsunterrichts rief Prof. Dr. Jan Woppowa dazu auf, „konfessionelle Differenzen als besondere Lernchancen eines Unterrichts in konfessionell heterogenen Lerngruppen zu erfassen“. Prof. Dr. Andreas Mühling gelang es, die christliche Irenik des 16. und späterer Jahrhunderte als vorbildliche Grundlage für den heute für notwendig erachteten muslimisch-christlichen Dialog zu charakterisieren.

Ein Tagungsbericht von Jochen Ring

geschrieben am 19. November 2017